Hallo, Wirtschaft - wollt ihr eine Freundschaft mit Kultur? Gemeinsam neue Wege finden, indem wir miteinander reden und handeln!

Der 19. Treffpunkt Kulturmanagement widmet sich am Mittwoch, den 14. Dezember 2011 ab 9.30 dem Verhältnis zwischen Wirtschaft und Kultur. Zu Gast sind Elisabeth von Helldorff von der Leipziger Kreativagentur schwarz + weiß sowie Ingrid Weydemann von der Modellinitiative Wirtschaft und Kultur, und Leiterin Museum Fronfeste Neumarkt am Wallersee.

Vor etwa 100 Jahren beschrieb Frederick Taylor Arbeit erstmals als ein Aufeinanderfolgen von Prozessen. Aus seinem Ansatz, diese Prozesse optimieren zu können, entwickelte sich eine Disziplin, die heute unter dem Wissensmanagement bekannt ist. Taylor ging davon aus, dass Aufgaben unter Arbeitern aufgeteilt und von einer leitenden Position aus gesteuert und verbessert werden können. Diese Denkweise wurde so lange verfolgt, bis Peter Drucker den Begriff des Wissensarbeiters prägte, indem er den mündigen Arbeiter ausrief, der selbst auf Ideen und Verbesserungen kommt. Heute geht man von einer Zwischenlösung aus, denn das Wissen und die Kompetenzen von Mitarbeitern können zwar durch Schulungen gefördert werden, ein Unternehmen muss aber vor allem Rahmenbedingungen schaffen, die den Mitarbeiter motivieren, sein Können auch anzuwenden. Es geht also um Vernetzung der Mitarbeiter untereinander, um anwendungsbezogene Schulungsmaßnahmen, um partizipative Innovationsprozesse und um ein gutes Kommunikationsklima. Für viele Unternehmen bedeutet diese Transformation zum »social business« eine Umstrukturierung der hierarchischen und organisatorischen Gegebenheiten, für die Instrumente entwickelt werden müssen, die Wissen generieren, zum Teilen des Wissens motivieren und die Wissen bewerten können. Das Aufbrechen alter Strukturen kann ganz unterschiedlich verlaufen. Meist beginnt es mit einem Wechsel in der Geschäftsführung und geht bei der Entwicklung vom Intranet bis hin zu neuen Schulungsmaßnahmen weiter.

Kunst kann in diesem Prozess eine interessante Rolle spielen. Denn anders als im Fall des traditionellen Sponsorings ist Ziel der Aktivitäten die Optimierung interner Prozesse. Ein Künstler kann in beratender Funktion diese Prozesse beobachten und mit seinem Blick neu ordnen. Er kann aber auch tiefer einsteigen und künstlerische Praxis als Mittel verwenden. Er kann sein Wissen und seine Arbeitsweise weitergeben, mit den Mitarbeitern praktizieren und somit im Personal selbst neues Denken implementieren.

Zwei Fragen ergeben sich aus dem Ansatz:

1. Wozu sollte ein Unternehmen gerade Kunst brauchen, wenn es um Wissensmanagement geht?

2. Wie kann sich ein Unternehmen absichern, dass die Investition wert war?

Die erste Frage ergibt sich bei der Betrachtung der Situation. Eine festgefahrene Struktur zu verändern funktioniert am Besten, indem eine völlig neue, unbekannte Sichtweise ins Spiel kommt. Radikal ist Kunst jedoch nicht, sie öffnet die Augen, inspiriert und animiert zu Kreativität. Kunst spiegelt Werte wieder und - man kann es so frei formulieren - macht auch Spaß. Der Spaß ist ebenso wenig zu missachten wie der Anreiz zu neuem Denken. Die zweite Frage stellt die große Herausforderung des Wissensmanagements an sich dar: Wie können immaterielle Werte bilanziert werden, wie kann das Wissen der Mitarbeiter bewertet werden. Eine Antwort darauf gibt es nicht wirklich. Salopp gesagt, kann man keine Investition zu 100% absichern. Mit einer Investition in künstlerische Praxis als Schulungsmaßnahme kann man im Gegenteil eigentlich nur gewinnen. Was soll denn passieren?

Zu den Referentinnen:

Elisabeth von Helldorff (geb. 1983 in Ehingen) begründete 2009 das in Leipzig ansässige Büro für Kulturprojekte »Schwarz+Weiss« und hat seit dem die Geschäftsleitung inne. Sie hat an der Universität Hildesheim Kulturwissenschaften und ästhetischen Praxis studiert und war in dieser Zeit Stipendiatin der Stiftung der deutschen Wirtschaft. Seit Oktober 2011 ist sie zudem Studentin der School of Design Thinking am Hasso-Plattner-Institut der Universität Potsdam.

Ingrid Weydemann MAS, Ausstellungs- und Kulturmanagerin für Konzepte, Gestaltung, Kulturvermittlungsprogramme und Veranstaltungen, langfristige professionelle Begleitung von Kultur- und Nachhaltigkeitsprojekten - von der Idee-Konzeption und Finanzierung bis hin zu Umsetzungsmaßnahmen, Leiterin Museum Fronfeste Neumarkt am Wallersee, unerschöpfliche Ideengeberin!

 
14.12.2011.txt · Zuletzt geändert: 2011/12/12 11:03 von kmnet_admin
 
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