Michael Wimmer, der Geschäftsführer von educult, war zu Gast beim monatlichen Treffpunkt Kulturmanagement. In einem pointierten Impulsvortrag widmete er sich der Kulturpolitik in Österreich.

Wimmer sprach von einer „beeindruckenden Kontinuität“ insbesondere der Wiener Kultureinrichtungen, die das österreichische Kulturerbe repräsentieren und gerade nach dem 2. Weltkrieg bewusst zur nationalen Identitätsfindung beigetragen haben. Andere, avantgardistische Kunst, habe es umso schwerer gehabt, meinte der gelernte Musikerzieher und Politikwissenschaftler. Wimmer sprach in diesem Zusammenhang von einem „Schutzschirm“, den man seitens der Kulturpolitik um dieses Erbe gespannt habe - um dem Preis allerdings, „gesellschaftlich nichts zu melden zu haben“.

Moderator Christian Henner-Fehr hinterfragte folgerichtig die Ausrichtung künftiger Kulturpolitik in Österreich. Aus seiner Sicht fänden wichtige künstlerische Impulse und Aktivitäten inzwischen in Nischen statt, die nicht von der Kulturpolitik wahrgenommen werden würden. Der bisherige Konsenz sei auch längst aufgekündigt, meinte Michael Wimmer, und forderte ein Umdenken bei der Kulturförderung. Was in den Niederlanden längst Tradition habe, nämlich eine Kulturplanung, die sich an Zielvorgaben ausrichtet, wäre für Österreich längst geboten. Wimmer erwähnte das Ziel der Unterrichtsministerin, dass bis 2013 alle Kultureinrichtungen in Österreich mit Schulen zusammenarbeiten sollen. Dennoch: Kulturvermittlung ist in diesem Zusammenhang für ihn der „verzweifelte Versuch der Politik sich zu legitimieren“. Umso mehr richtete sich im Verlauf der Diskussion das Augenmerk auf den Künstler. Für Christian Henner-Fehr sind die Künstler selbst gefordert zu erklären, warum man sich mit ihnen und ihrer Kunst beschäftigen solle.

Der kmtreff im Oktober hat erneut bewiesen, aktuelle Themen des Kulturmanagements in zeitgemäßer Form zu erörtern. Es bleibt insbesondere zu hoffen, dass das brisante Frage, ob die Kulturpolitik überhaupt mehr sei als Geld an die Kultur zu geben, in den kommenden Monaten beantwortet wird. Der Impuls zu dieser wichtigen Debatte wurde heute vom Geschäftsführer von educult gegeben.

Autor: Dirk Heinze

 
26.10.2011.txt · Zuletzt geändert: 2011/10/26 12:18 von kmnet_admin
 
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